Durch's Lahaul Valley nach Sarchu

4. September 2005 - wir folgen dem Flusslauf des Chandra Rivers bis Tandi. Die Strasse verläuft hoch über dem Tal an zahlreichen kleinen Siedlungen vorbei. Menschen sind nur wenige anzutreffen und wenn, dann sind sie auf ihren Erbsenfelder beschäftigt. Bei der Brücke von Tandi auf ca. 2600 Meter erreicht der Highway den tiefsten Punkt unserer Reise durch das Lahaul Valley.

Die Brücke von Tandi

Brücke von Tandi, Lahaul Valley

Die Brücke von Tandi, wichtigster Übergang im Lahaul Valley, wo sich die beiden grossen Flüsse der Region, Chandra und Bhaga zum Chandra-Bhaga (Mond-Sonne) oder Chenab River vereinen.

Wir folgen dem Bhaga River flussaufwärts bis Keylong, der Distrikthauptstadt und zugleich grösste Ortschaft im Lahaul Valley. Die Strasse steigt jetzt wieder an und ist in einem schlechten Zustand. Die Sonne drückt erbarmungslos, das Thermometer steigt weit über 30°C. Mein Hinter fängt jetzt auch noch an zu rebellieren und ich weiss bald nicht mehr wie ich auf dem blöden Sattel sitzen soll. In Keylong angekommen, ist erst einmal Lunch angesagt, bevor wir die letzte Steigung mit anschliessender Abfahrt nach Jispa auf 3280 Meter in Angriff nehmen. Im Camp bei Jispa "Gott sei Dank, ich lebe noch" hab ich in der eiskalten Bhaga Staub und Schweiss abgewaschen und mich für eine Stunde auf's Ohr gehauen. Am späten Nachmittag war dann ein kleiner Fussmarsch zur Yang-Chen-Gha-Tsal Buddhist School in Jispa angesagt.

Buddhistischer Tempel in Jispa

Yang-Chen-Gha-Tsal Buddhist School Jispa, Lahaul Valley

Vom Dalai Lama im Jahre 1994 eingeweihter Tempel mit angrenzender Schule. Das Projekt wird von der Hilfsorganisation "Children Of Himalaya" finanziell und medizinisch unterstützt.

5. September 2005 - der heutige Tag fängt locker an. Unter strahlend blauem Himmel geht die Fahrt mit den Mountainbikes gerade aus dem Bhaga River entlang bis zum Checkpoint bei Darcha. Darcha ist die letzte Ansiedung im Lahaul Valley bevor es über die ganz grossen Pässe geht. Ab hier beginnt der Aufstieg zum 4830 Meter hohen Pass Baralacha La. Schon nach kurzem Anstieg hat man einen überwältigeden Ausblick auf das Flussdelta bei Darcha. Immer weiter geht's bergauf, vorbei an Patseo einem grossen Militärlager.

Hinauf nach Zingzing Bar

Gesteinswüste auf Zingzingbar, Lahaul Valley

Vor mir breitet sich ein grosses Tal auf mit riesigen Geröllhalden aus Fels und Steinen flankiert von hohen Berghängen. Die Landschaft erscheint unwirklich, hässlich und trotzdem faszinierend.

Im Aufstieg nach Zingzing Bar auf 3850 Meter stosse ich an meine physischen Grenzen. Die dünne Luft zwingt mich immer wieder vom Mountainbike abzusteigen und einige Meter zu Fuss zu gehen. Doch allein der Blick zurück ins Tal entschädigt für alle bisherigen Strapazen - die Aussicht ist phantastisch. Auf Zingzing Bar angekommen, waren meine Batterien komplett leer. Kopfschmerzen haben sich angekündigt, die Höhe macht mir arg zu schaffen. Ich werfe mir zwei Schmerztablette in den Rachen, deren Wirkung auch sofort einsetzt. Aber dieses mal mach ich mir ernsthaft Gedanken, ob die eine Nacht ausreicht, mich von diesem Tag zu erholen.

Über den Baralacha La

Adventure Camp Sarchu am Baralacha La

6. September 2005 - an diesem Morgen fühle ich mich immer noch wie gerädert vom Vortag. Mein Entschluss, heute nicht auf's Mountainbike zu steigen fällt mir relativ leicht und ist das einzig Richtige.

So kommt es, dass ich mich im Mannschaftsbus über den Baralacha La chauffieren lasse. Dieses mal hab ich den Gipfel als erster :-) erreicht. Nach anschliessender Talfahrt auf staubiger Schotterpiste erreicht man das Adventure Camp Sarchu, ein Zeltlager inmitten schroffer Felsformationen auf 4250 Meter. Da der Rest der Gruppe noch unterwegs ist, nutze ich die Zeit zum Photografieren - die Formen und Farbe der Berge rund um Sarchu sind unbeschreiblich schön. Weiter geht die Reise in ein breites, flaches Tal, wo wir am Checkpoint die Grenze von Lahaul ins Ladakh passieren. Die Strasse verläuft entlang des Tsarap Rivers, der an dieser Stelle einen Canyon in die Landschaft geformt hat. Unser Camp erreichen wir am Ende des Tals unweit der Whisky Bridge am Ufer des Tsarap River. Diese Nacht campiert ein deutsches Pärchen neben unserem Zeltlager. Sie sind bereits längere Zeit mit dem Velo in Asien unterwegs und haben viel zu erzählen. Trotz intressanten Geschichten fühle ich mich diesen Abend so richtig beschissen und verkriech mich zeitig ins Zelt.

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