Ladakh, das Land der hohen Pässe

7. September 2005 - während sich die Gruppe auf ihren Mountainbikes in Richtung Nakee La davon macht, schaue ich der Begleitmannschaft beim Abräumen des Camps zu. Ich bin weder fit noch motiviert die anstrengende Etape über den Doppelpass Nakee La mit 4950 Meter und Lachulung La mit 5056 Meter mit dem Mountainbike unter die Räder zu nehmen. Im Begleitfahrzeug bei strahlend blauem Himmel geht's dann los über 21 Spitzkehren und 750 Höhenmeter hinauf zum Nakee La Pass. Die Vegetation hat sich auf dem Weg nach oben verabschiedet. Vereinzelt sind Grasflechten auszumachen, die dem rauhen Klima am Nakee La trotzen. Hat sich da nicht ewas bewegt? Auf fast 5000 Meter Höhe eine Herde Bergziegen auf Futtersuche unterwegs.

Über den Lachalung La

Nakee La Pass, Ladakh Himalaya

Auf dem Nakee La Pass angekommen hält sich die Aussicht in Grenzen, dafür sieht man über einer Talsenke den etwas höher gelegenen zweiten Pass Lachulung La.

Der Aufstieg zum Lachalung La ist für Velofahrer nach den Strapazen vom ersten Pass eine harte Herausforderung. Die anschliessende Abfahrt hinunter nach Pang dann wiederum ein grandioses Erlebnis. Die ständig wechselnden Felsformationen und tiefen Schluchten entlang dem Highway sind beeindruckend. Etwa 6 Kilometer vor Pang ist die Abfahrt für uns zu Ende, das Camp für die Übernachtung ist erreicht.

Road Construction Company

Felsformationen bei Pang, Ladakh Himalaya

8. September 2005 - auf unseren Mountainbikes fahren wir im gemächlichen Tempo vorbei an Pang, einem Zeltlager für Touristen, vorbei auch an einem Stützpunkt der indischen Armee.

Was in Gottes-Namen hat die Indische Armee veranlasst, die ladakhischen Hochebenen mit solchen Militärlager zu verschandeln? Bei diesem Anblick vergisst man schnell, dass der Manali - Leh Highway von der Road Construction Company, einer Einheit der indischen Armee, gebaut wurde und auch für deren Unterhalt zuständig ist. Da Ladakh eine Grenzregion zu China und Pakistan ist, hat der Highway in erster Linie für Indien eine strategische Bedeutung. Ohne die Zusage der Armee wäre Ladakh für den Tourismus nicht über diese Strasse erreichbar.

In der More Ebene

Mountainbiker in den More Plains, Ladakh Himalaya

Nach einem Anstieg von etwa 350 Höhenmeter erreicht man die More Ebene auf 4600 Meter. Das Hochplateau zählt zu den schönsten Naturkulissen im Distrikt Ladakh.

Der Highway in der More Ebene ist in einem guten Zustand und abwärts neigend, was mir sehr entgegen kommt. Das Hochplateau wird auf beiden Seiten von hohen Bergen flankiert. Die unendliche Weite und Stille von Ladakh hat an diesem Ort beinahe einen mystischen Charakter. Entlang dem Highway begegnen wir umherziehenden Nomaden mit ihren Pashima Ziegen, Changluk Schafen und Yakherden. Zum Glück :-) sind seit dem Zusammenbruch der Brücke von Khoksar kaum noch Fahrzeuge unterwegs, die diese Traumkulisse stören. Am anderen Ende der More Ebene, biegen wir nach etwa 35 Kilometer, rechts ab auf eine Sandpiste, die zum Tsokar Lake führt. Unser Camp ist auf 4750 Höhenmeter wunderschön an einem kleinen Bach auf einer grünen Wiese, mitten in der kargen Hochebene gelegen. Bis zum Tsokar Lake fehlen noch ein paar Kilometer, die ich an diesem Nachmittag zu Fuss machen will. Es bleibt beim Versuch, denn das Laufen auf dieser Höhe erweist sich als genau so anstrengend wie das Velofahren.

Über den Taglang La

Taglang La, zweithöchster befahrbare Pass der Welt, Ladakh Himalaya

9 September 2005 - heute gilt es den zweithöchst befahrbaren Pass der Welt, den 5317 Meter hohe Taglang La zu bezwingen. Die 600 Höhenmeter hinauf zum Pass sollten eigentlich zu schaffen sein.

Zunächst gilt es die 7 Kilometer lange Sandpiste zurück zum Manali - Leh Highway zu fahren. Das ist kein leichtes Unterfangen, da der Sand an manchen Stellen recht tief ist. Als ich eine Stunde später auf dem Highway unterwegs bin, sehe ich vor mir den "Taglang La" in seiner vollen Grösse. Nach weiteren 10 Kilometer steigt die Strasse stetig an, mein Leidensweg beginnt. Willkommen in Ladakh dem Land der hohen Pässe! (Mir bleibt die Puste weg). Je mehr ich dem Ziel näher komme, umso mehr scheint er sich von mir zu entfernen. Als mir 100 Höhenmeter unterhalb des "Taglang La" auch noch schwindlig wird, ziehe ich die Notbremse und warte auf den Mannschaftsbus. Mit einer Stunde Verspätung trifft der Bus bei mir ein, er war auf der Sandpiste am Tsokar Lake abgesoffen und musste vom Militär befreit werden. Heute ist eben nicht mein Tag. Auf die geile Abfahrt hinunter ins Gya Canyon nach Lato verzichte ich, da ich mich sowieso nicht auf meinem Drahtesel halten könnte.

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